Mittwoch, 4. Januar 2012

Tage des Gammels

Es gibt bei mir mittlerweile eine jahrelange Tradition nach Weihnachten, die sich mehr oder minder um ein paar Tage verschiebt, aber ansonsten immer gleich abläuft: "Zwischen den Jahren" lege ich einige Tage des Gammels bis Silvester oder kurz nach Silvester ein. Diese äußern sich meist in mehreren Tagen ohne Dusche und ausschließlich im Schlaf- oder Jogginganzug.

Vor zwei Jahren lernte ich dabei auch meinen jetzigen Exfreund kennen. Ich war umgezogen und wir standen im regen Austausch, weil er mein altes Zimmer übernehmen wollte und weil der Kontakt so nett war, lud ich ihn zu meiner WG-Silvester-Party ein. Der einzige Fehler war: Er wusste, wo sie stattfand, aber nicht wann und hatte auch leider keine Handynummer von mir. Deswegen kam es, dass ich wohlwollend und freizügig in den Tagen des Gammels nach Weihnachten war und die jahresendzeitliche Dusche bis kurz vor die Party gelegt hatte. Mein Gesicht war fettig, meine Haare auch und mein Outfit war dementsprechend, als es an der Tür spontan klingelte und er davor stand, um sich nach den genauen Daten für die Party erkundigte. Geklappt hat es mit uns trotz allem, zwar nur für wenige Jahre, aber immerhin. Das Bild muss ihn wohl nicht abgeschreckt haben.

In den Tagen des Gammels komme ich erstmal zur Ruhe und "sammle" neue Kraft für das neue Jahr. Das bedeutet, dass ich zuerst in meinem Geschenke- und Klamottenchaos lebe und dann langsam aber sicher alles sortiere, aufräume und gründlichst putze. Außerdem gehe ich nicht vor die Tür, telefoniere nicht und treffe auch niemanden.

Dieses Jahr hielt ich diese Tage des Gammels erst spät ab, zu einem Zeitpunkt, wo mein jetziger Freund einer dieser für mich nach wie vor seltsamen Winterurlaube fröhnt.

Ich habe es auch tatsächlich geschafft, meinen Kleiderschrank zu sortieren und zu entmüllen, so dass sich über 50% der Klamotten sich dieses Mal wirklich verschieden durften und nicht wie die Jahre zuvor in die Sparte "Falls ich mal alte Klamotten zum Streichen brauche" und "Eigentlich ganz hüsch, zieh´ ich bestimmt wieder an" schob.

Hier ein Teil und das tolle Vorher-Nachherbild:


Im Nachhinein sieht das Vorherbild natürlich erschreckend aus, aber glaubt mir, es hatte System!

Außerdem habe ich diversen anderen Hobbies gefröhnt, wie der Zeichnerei, den Dokumentationen und Reportagen und dem Lesen. Mein Ziel, das Buch "Der Hunderjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" zu Ende zu lesen ist mir heute, nach 4 Tagen gelungen und ein wenig stolz bin ich damit auch, weil ich damit alles erledigt habe, was ich mir vorgenommen habe.

Zu dem habe ich die zerrissene Hose meines Freundes zu einem hübschen New-School-Rock umgenäht, den ich heute auch ausführen möchte (stufenweise Resozialisation nenne ich den ersten Weg nach draußen).

Vorsätze habe ich eigentlich schon lange aufgegeben, allerdings hänge ich weiterhin an folgenden Zielen dran, bzw. habe ich neu erschaffen:

- Augenbrauen natürlich schön werden lassen. Wie ich das allerdings hinbekommen soll, ist mir noch ein Rätsel.
- Soweit abnehmen, damit ich endlich wieder in die vielen Jeans in meinem Schrank passe!
- Tagebuch schreiben.

Soweit, so gut!